BSI Grundschutz++: Die Modernisierung des IT-Grundschutzes.
Das BSI entwickelt das bewährte IT-Grundschutz-Rahmenwerk grundlegend weiter. OSCAL-Integration für maschinenlesbare Dokumentation, eine überarbeitete modulare Struktur und neue Zertifizierungsstufen ab 2027.
Warum das BSI IT-Grundschutz modernisiert.
Der BSI IT-Grundschutz ist seit Jahrzehnten das zentrale deutsche Rahmenwerk für Informationssicherheit. Behörden, KRITIS-Betreiber und viele Unternehmen nutzen IT-Grundschutz als Methodik für Risikoanalyse, Maßnahmenumsetzung und Zertifizierung. Mit der zunehmenden Komplexität moderner IT-Infrastrukturen und der Einführung von ISO 27001:2022 wurde eine grundlegende Modernisierung notwendig.
BSI Grundschutz++ modernisiert das Rahmenwerk in drei zentralen Punkten: Integration von OSCAL für automatisierbare Compliance-Dokumentation, eine überarbeitete Bausteinstruktur mit klarer Trennung von Anforderungen und Umsetzungshinweisen sowie ein neues Zertifizierungsregime mit gestaffelten Stufen. Das klassische IT-Grundschutz-Kompendium wird dabei nicht abgelöst, sondern weiterentwickelt.
Aktueller Stand
Das BSI veröffentlicht die Grundschutz++-Methodik schrittweise. Pilotbausteine und OSCAL-Beispieldokumentationen sind bereits verfügbar. Mit dem Start des offiziellen Zertifizierungsbetriebs ist ab 2027 zu rechnen. Bestehende IT-Grundschutz-Zertifikate bleiben bis zu ihrem Ablaufdatum gültig.
Auf dieser Seite
- Was Grundschutz++ vom klassischen IT-Grundschutz unterscheidet
- OSCAL: maschinenlesbare Sicherheitsdokumentation
- Neue Zertifizierungsstufen ab 2027
- Mapping zu ISO 27001:2022
- Relevanz für NIS2 und KRITIS-DachG
- Was Organisationen jetzt vorbereiten sollten
Was Grundschutz++ konkret ändert.
OSCAL-Integration
- Bausteine und Maßnahmen als maschinenlesbare OSCAL-Kataloge
- Automatisierte Compliance-Prüfungen möglich
- Einheitliches Format für Behörden, Auditoren und Tools
- NIST OSCAL als Grundlage: internationale Interoperabilität
Überarbeitete Bausteinstruktur
- Klare Trennung: Anforderungen vs. Umsetzungshinweise
- Modularere Anwendbarkeit für Cloud-, OT- und Hybrid-Umgebungen
- Aktualisierte Schichtenstruktur (ISMS, Systeme, Anwendungen, Infrastruktur)
- Bessere Abdeckung moderner Architekturmuster (Container, Zero Trust)
Neue Zertifizierungsstufen
- Gestaffelte Stufen ersetzen die bisherige Basis/Standard/Kern-Logik
- Erleichterte Einstiegsstufe für kleinere Organisationen
- Erweiterte Stufe für KRITIS-Betreiber und kritische Behörden
- Zertifizierungsbetrieb startet ab 2027
ISO 27001:2022-Alignment
- Direktes Mapping aller Bausteine auf die 93 Annex-A-Maßnahmen
- Kontext- und Interessengruppen-Analyse nach Kap. 4 ISO 27001 integriert
- Gemeinsame Zertifizierung Grundschutz++/ISO 27001 möglich
- BSI-Mappingtabellen als offizielle Referenz verfügbar
Grundschutz++ und NIS2, KRITIS-DachG, DORA.
Das BSI empfiehlt IT-Grundschutz als Umsetzungshilfe für die NIS2-Anforderungen an das IKT-Risikomanagement. Grundschutz++ deckt die technischen und organisatorischen Maßnahmen ab, die NIS2 Art. 21 für wichtige und kritische Einrichtungen verlangt. Für KRITIS-Betreiber nach KRITIS-DachG ist IT-Grundschutz weiterhin als Referenzrahmenwerk anerkannt.
Für DORA-pflichtige Finanzunternehmen ist Grundschutz++ kein eigener Compliance-Rahmen, kann aber als ergänzende Methodik für das IKT-Risikomanagement-Framework genutzt werden. Die OSCAL-Unterstützung erleichtert die Erstellung des DORA-Informationsregisters und die Dokumentation von Drittpartei-Risiken.
Hintergrund
Das BSI nutzt Grundschutz++ auch als Grundlage für behördeninterne Mindestanforderungen (B3S-Profile, Schutzprofile). Bundesbehörden müssen IT-Grundschutz nach BSIG § 8 umsetzen. Die Grundschutz++-Transition betrifft daher direkt alle Bundeseinrichtungen und mittelbar ihre Dienstleister.
Was Organisationen jetzt tun sollten.
Für Organisationen mit laufenden IT-Grundschutz-Implementierungen besteht kein unmittelbarer Handlungsdruck. Das klassische Kompendium bleibt gültig und wird weiter gepflegt. Der richtige Zeitpunkt für die Grundschutz++-Transition ist die nächste geplante Re-Zertifizierung oder eine anstehende größere ISMS-Überarbeitung.
Für Neuimplementierungen oder Behörden mit Umstellungsplanung bis 2027 lohnt ein frühzeitiger Einstieg in die OSCAL-Dokumentation. BSI stellt Pilotbausteine und Schulungsunterlagen bereit. Die Tool-Landschaft (VERINICE, isms.online, eigene BSI-Tools) wird sukzessive um OSCAL-Unterstützung erweitert.
- Bestehende IT-Grundschutz-Dokumentation auf OSCAL-Kompatibilität prüfen
- ISO-27001:2022-Gap-Analyse mit Grundschutz++-Mapping kombinieren
- Zertifizierungsplan: Re-Zertifizierungszeitpunkt und Übergangsszenario festlegen
- Bundesbehörden: BSI-Migrationsbegleitung frühzeitig anfragen
ISMS-Modernisierung und ISO 27001:2022 gemeinsam angehen.
Grundschutz++-Transition und ISO-Re-Zertifizierung lassen sich effizient kombinieren.
Zum ISMS-Aufbau